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Versuch über das Klettern
Hennef, 16.7.2023

Klettern und Bouldern lässt sich beschreiben als das Lösen eines 3D-Puzzles, wobei die Schwierigkeit zum Einen in der Vielzahl an Parametern besteht, als auch in der hohen notwendigen Präzision, die mit Virtuosität in Musik gleichgesetzt werden kann.

Parameter sind Neigungen, Hebelwirkung, Reibung, Schwung und Momentum bzw. Trägheit,
Innere Versammlung, Vorbereitung, Erfahrung, Bewegungsgedächtnis, Improvisation, Gefahrenbewusstsein / -Management, Gruppendynamik, Belastbarkeit einzelner Komponenten des Bewegungsapparates, analytische Bewegungsplanung, u.v.m. wobei jeder einzelne Parameter ein weites Feld ist, das Klettern ist wie viele ernsthafte Beschäftigungen fraktal.

Präzision ist trainierbar und erlaubt feinstes gezieltes Anpeilen und Hinbewegen in Positionen, wo minimale Abweichungen fatal wären. Abweichung könnte sein zu viel oder zu wenig Schwung, unzureichendes Abdämpfen von Schwung des Körpers, um ihn von den Griffen und Tritten fernzuhalten. Egal ob Turnen, Bogenschießen oder Musizieren: der Grad an Präzision, den Menschen erreichen können, kann schier überwältigend sein. Präzision ist nur teilweise und eher schlecht durch rohe Kraft zu ersetzen.

Klettern an der künstlichen Kletterwand fordert die spatiale Intelligenz nur wenig, da Griffe und Tritte sich überwiegend in einer Ebene befinden und überaus leicht zu erkennen sind (schön bunt). Kletten an echten Felsen ist bereits um Größenordnungen komplexer. Hier gibt es aber noch deutliche Abstufungen. Der handelsübliche Kalksandstein bietet oft herausfordernde überhängende Kletterei mit mehr oder weniger großen Lochgriffen. Trotzdem kann er monoton und langweilig sein, wenn man interessanteres gewohnt ist. Ganz anders verhält es sich mit dem Sandstein in Bleau. Die Formen des Felsens sind hier …
Nur noch zu übertreffen vom Gritstone im Peak District.

Solo-Klettern
Das bedeutet Verzicht auf jegliche Sicherung. Dies kommt natürlich nur für sehr Erfahrene in Betracht. Ich hab mal gehört, rechnerisch bewege man sich hierbei etwa 2 Grade unter seinem UIAA-Leistungsniveau. Dies kann ich für mich bestätigen. In einer Zeit, als ich solide 8er geklettert bin, konnte ich eine 6- solo klettern.
Eine bestimmte Route kannte ich besonders gut, da ich sie mal eine Zeitlang blind geklettert bin, als ein Auge wegen Hornhaut-Erosion geschont werden musste. Der Durchstieg fühlte sich freier an als sonst, da das Seilhandling entblieb. Den Ausstieg jedoch hatte ich nie zuvor gemacht und er musste improvisiert werden, durch die Vegetation des Felskopfes; ging aber.

Eine wichtige hier angewandte Maxime ist, dass man immer nur so weit hochklettert, wie man wieder (zurück zum Boden) abklettern kann. Jeder Kletterzug muss dann reversibel sein (Cave: Dynamos) und die Kraftreserve für den kompletten Rückweg reichen. Selbst nicht-Solo-Kletterer kommen bei höheren Bouldern regelmäßig in diese Gefilde. Zu den möglichen Exit-Strategien kommen hier noch das Abspringen (soweit das Gelände es erlaubt), das Fallenlassen in die Arme möglichst vieler und muskelstarker Freunde, und das Auspolstern des Untergrundes. In gutem Absprunggelände kann man lernen, katzenhaft aus größeren Höhen als gedacht zu landen [ Schlüsselstelle des Eisbergs, Königsstein, Teutoburger Wald ]; bei zu repetitiven Spitzenbelastungen wären hier die Bandscheiben gefährdet. Das (engl.) „Spotten“ durch einen Freund kann ungemein versichernd wirken. bei größerer Fallhöhe ist die mögliche Unterstützung jedoch gering und beschränkt sich darauf, kurz vor der Landung einen Drehimpuls zu geben, um die Füße zuerst zum Boden zu dirigieren und dadurch die Aufprall-Situation für Kopf und Rücken zu verbessern. Dies kann schon viel wert sein, besonders bei Gewichtsunterschied. Kontrolliertes Abspringen oder kontrolliertes Abrutschen ist oft nicht dramatisch, viel gefährlicher sind ungeplante Abrutscher oder Felsausbrüche, bei denen man eben nicht sauber auf den Füßen landen würde.

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